Telematikinfrastruktur
10. März 2026·6 min. Lesezeit
Die TI ist nicht zuverlässig
- Mythen über die Telematikinfrastruktur im Faktencheck


Wer TI-Lösungen vertreibt, implementiert oder nutzt, kennt sie: die immer gleichen Vorbehalte rund um die Telematikinfrastruktur. „Zu teuer", „zu unsicher", „funktioniert sowieso nicht."
Die Mythen über die Telematikinfrastruktur halten sich hartnäckig. Dabei hat sich die TI in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Viele Vorurteile stammen noch aus der Ära der Einbox-Konnektoren und werden dem heutigen Stand schlicht nicht mehr gerecht.
TI-Mythos 1: „Die TI ist nicht zuverlässig"
Kaum ein Vorurteil hält sich so hartnäckig wie dieses. Und ja: In der Vergangenheit gab es Störungen – teilweise mit spürbaren Auswirkungen auf den Alltag in Apotheken und Praxen. Doch wer heute pauschal von einer unzuverlässigen TI spricht, blendet die Entwicklung der letzten Jahre aus.
Die gematik dokumentiert im TI-Status-Portal transparent, welche Komponenten wann und wie lange von Störungen betroffen sind. Das Bild, das sich dort ergibt: Ausfälle betreffen in der Regel einzelne Anbieter oder Dienste – nicht die Telematikinfrastruktur als Ganzes. Die typische Störungsdauer liegt bei 10 bis 30 Minuten. Mit dem Umstieg auf TI-Gateways hat sich die Ausfallsicherheit nochmals deutlich verbessert. Die neue Architektur mit leistungsstarkem TI-Zugang aus dem Rechenzentrum und aktivem Monitoring sorgt für eine Stabilität, die mit dem klassischen Einbox-Konnektor kaum erreichbar war.
Allerdings ist TI-Gateway nicht gleich TI-Gateway. Auch zwischen den Anbietern gibt es deutliche Unterschiede. Eine aktuelle Auswertung (Stand Ende Januar 2026) zeigt: Während bei anderen Gateway-Anbietern vereinzelt Störungen auftraten, läuft das TI-Gateway von curenect seit Monaten ohne eine einzige gemeldete Störung. Dafür sorgt nicht zuletzt das Team von infinity managed services – unserem Partner für den Betrieb des TI-Gateways.
Axel Schulz, Geschäftsführer der infinity managed Services GmbH: „99,9% Uptime ist der Standard, an dem jeder Betreiber gemessen wird. Wir gehen mit echter Redundanz sogar einen Schritt weiter! Im Fehlerfall schwenken wir innerhalb von ein bis zwei Stunden auf ein zweites Rechenzentrum, ohne Datenverlust, ohne manuelle Wiederherstellung. Über 6 Monate ohne Ausfall bestätigen, dass wir diesen Ansprüchen gerecht werden."
TI-Mythos 2: „Die TI ist zu teuer"
Die Kosten der TI sind ein Dauerthema und auf den ersten Blick scheint das Vorurteil nachvollziehbar. Neue Hardware, Software, Kartenterminals, laufende Betriebskosten – gerade für kleinere Einrichtungen kann sich das nach einer erheblichen Belastung anfühlen. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich ein anderes Bild.
Denn die Kosten für die TI werden nicht einfach den Leistungserbringern überlassen. Für Apotheken, Pflegeeinrichtungen und Heilmittelerbringer gibt es klar geregelte Refinanzierungsmodelle. Apotheken erhalten eine monatliche TI-Pauschale über den Nacht- und Notdienstfonds und für Pflegeeinrichtungen liegt die monatliche Grundpauschale bei über 200 Euro pro Betrieb. Und auch für Heilmittelerbringer sind Erstattungsmodelle vorgesehen, die den größten Teil der Kosten abdecken.
Heißt das, die TI ist kostenlos? Nein. Aber der Eigenanteil ist in den meisten Fällen deutlich geringer, als viele annehmen. In manchen Fällen ist die TI-Pauschale sogar kostendeckend. Dabei hat ein Gericht kürzlich festgestellt, dass Leistungserbringer keinen Anspruch auf eine kostendeckende TI-Pauschale haben.
Um die Belastung für Leistungserbringer gering zu halten, werden rund um das TI-Gateway kontinuierlich Weiterentwicklungen eingeführt, die den Aufwand geringhalten. Dazu gehört etwa der Verzicht auf einen regelmäßigen Konnektortausch, Techniker-Termine und manuelle Zertifikatswechsel. Die TI wird dadurch nicht nur stabiler, sondern auch planbarer – und auf lange Sicht günstiger.
Jens Biere, Market Development Manager bei opta data: "Die TI ist weniger teuer als gedacht. Die Refinanzierung deckt die notwendige Ausstattung zu 100 % ab. Viele Einrichtungen rechnen mit hohen Eigenkosten, die jedoch durch die TI-Pauschale gedeckt sind. Zusätzlich macht das TI-Gateway die Kosten transparenter und planbarer als Konnektoren vor Ort."
TI-Mythos 3: „Die Telematikinfrastruktur ist Technik aus den 2000ern"
Wer an die TI denkt, hat oft ein bestimmtes Bild vor Augen: eine unhandliche beige Box unter dem Schreibtisch, kryptische Fehlermeldungen, und immer mal wieder muss ein ein Techniker anrücken. Dieses Bild ist nicht erfunden, es war jahrelang Realität. Aber es ist längst nicht mehr aktuell.
Der Einbox-Konnektor war eine Übergangstechnologie. Die gematik hat das offiziell bestätigt und das Ende der Einbox-Konnektoren bis spätestens 2030 beschlossen. An seine Stelle tritt das TI-Gateway: software-basiert, im Rechenzentrum gehostet, zentral gewartet – und bis zu 100-mal leistungsfähiger als sein Vorgänger. Updates und Sicherheitszertifikate werden im Hintergrund eingespielt, ohne Technikertermin, ohne Unterbrechung. Wer die TI am Konnektor festmacht, sollte sich ein neues Bild machen.
Und die Entwicklung geht weiter: Mit der ePA im Regelbetrieb, dem wachsenden E-Rezept-Volumen und neuen Anwendungen wie dem TI-Messenger entsteht ein digitales Ökosystem, das mit der Konnektor-Welt der 2010er-Jahre nichts mehr gemein hat. Hier zeigt sich: Die TI ist kein starres System. Sie wird kontinuierlich ausgebaut und an die Anforderungen einer modernen Gesundheitsversorgung angepasst.
Stephan Losse, Geschäftsführer Curenect GmbH: „Die Weiterentwicklung der TI-Komponenten ist enorm. Vom physischen Gerät mit begrenzter Lebensdauer zum Managed Service aus dem Rechenzentrum. Die TI von heute hat mit dem Bild von damals nichts mehr zu tun.“
Mehr als die Summe der Vorurteile
Die Telematikinfrastruktur ist nicht perfekt. Aber sie hat einen Reifegrad erreicht, bei dem die alten Vorurteile mehr über die Vergangenheit sagen als über die Gegenwart. Wer Entscheidungen auf dieser Basis trifft verschenkt viel Potenzial für einen positiven Umgang mit der Technologie – und für ihren sinnvollen Einsatz.
Die spannendere Frage ist längst nicht mehr, ob die TI funktioniert. Sondern was möglich wird, wenn sie als das genutzt wird, was sie inzwischen ist: eine digitale Infrastruktur, die alltägliche Abläufe im Gesundheitswesen spürbar verbessern kann. Wer sich selbst ein Bild machen möchte, statt auf Mythen zu vertrauen: Wir zeigen gerne, wie der TI-Zugang heute funktioniert.