Telematikinfrastruktur
13. Feb. 2023·5 min. Lesezeit

Chancen und Vorteile für die Pflege

Eine einheitliche Digitalisierung ist der Schlüssel zu besserer Versor-gung, leichterem Arbeitsalltag und insgesamt besseren Bedingungen für die Pflege.

von Christin Woelk

Stellen Sie sich vor, Sie könnten zukünftig Leistungsnachweise direkt unterschreiben lassen und zur Abrechnung schicken. Stellen Sie sich vor, Sie könnten den gesamten Medikationsplan stets aktuell und bequem mobil dabeihaben. Stellen Sie sich vor, Sie könnten schnell und sicher sehen, welche Behandlungen, Befunde und Diagnosen jemand hatte, bevor er zu Ihnen in die Pflege gekommen ist. Für die Pflege bedeutet das: Weniger Zeit am Schreibtisch hinter Papierbergen, mehr Zeit bei Klientinnen und Klienten und dadurch eine höhere Effizienz, Optimierung, Versorgungsqualität und Arbeitserleichterung. Doch wie kann das gelingen?

Telematikinfrastruktur als Schlüssel?

Die Telematikinfrastruktur (kurz TI) ist ein abgesichertes, digitales Netzwerk, dass alle Leistungserbringer des Gesundheitswesens sektorenübergreifend miteinander verbindet. Es stellt einen schnellen, sicheren und einheitlichen Austausch hochsensibler Daten aus verschiedenen Quellen sicher. Die TI wird oft als Datenautobahn des Gesundheitswesens bezeichnet und ist durch die Vorgaben des Gesetzgebers eines der sichersten Netzwerke weltweit. Das Ziel ist zum einen die bessere Patientenversorgung durch Einsicht in vorherige Befunde und Behandlungshistorien und eine deutliche Erleichterung des Betriebs- und Praxisalltags. Die Telematikinfrastruktur ermöglicht eine deutlich einfachere, schnellere Kommunikation zu anderen Leistungserbringern im Gesundheitswesen.

Vor allem für Pflegebetriebe ist der einheitliche und sichere Austausch von medizinischen Daten und Dokumenten von hohem Nutzen. Die Vorteile einer Anbindung an das Netzwerk der TI führen nicht nur zu einer höheren Arbeitszufriedenheit in der Pflege, sondern zusätzlich zu einer besseren Patientenversorgung.

Chancen und Vorteile für die Pflege auf einen Blick

  • sichere und schnelle Kommunikation mit anderen Leistungserbringern
  • geringeres Fehlerpotenzial durch direkte Kommunikationskanäle
  • bessere Patientenversorgung durch eine gemeinsame und transparente
  • Informationsbasis
  • Effizienzsteigerung durch die Nutzung der elektronischen Patientenakte und des ständig aktualisierten elektronischen Medikationsplans
  • verbessertes Entlass- und Überleitungsmanagement
  • leichtere und schnellere Abrechnung mit Pflegekassen
  • höhere Arbeitszufriedenheit

Hilfreiche Anwendungen in der Pflege

Die für die Pflege wichtigsten Fachanwendungen der TI sind neben der elektronischen Patientenakte (ePA) auch die Kommunikation im Medizinwesen (KIM) und der elektronische Medikationsplan (eMP).

Die ePA beherbergt zukünftig alle gesundheitsrelevanten Daten und Dokumente zentral an einem Ort. Mit dem Einverständnis der Klienten kann das Pflegepersonal sich so in nur wenigen Minuten einen umfassenden Überblick über die Gesundheits- bzw. Krankengeschichte des Klienten machen – und das ganz ohne langes Recherchieren oder Daten zusammentragen. Die Anwendung der ePA steigert also nicht nur die Qualität der Versorgung des Klienten, sie spart dem Pflegepersonal auch einiges an Zeit ein, die sonst mit Telefonaten oder Wälzen von Unterlagen verschwendet wird.

Sollte dennoch mal etwas unklar sein können Rückfragen vom Pflegepersonal sicher, schnell und einfach über KIM geklärt werden. Die Fachanwendung KIM ist ein abgesicherter E-Mail Nachrichtendienst, über den alle Leistungserbringer sektoren- und berufsgruppenübergreifend miteinander kommunizieren und Daten austauschen können. Lange Wartezeiten am Telefon der behandelnden Arztpraxis, um an Informationen zu kommen, gehören somit der Vergangenheit an. Auch im Bereich der Medikamentenbestellung ist KIM eine große Erleichterung für die Pflege, da alles sicher, schnell und digital erledigt werden kann.

Eine wichtige Aufgabe in der Pflege besteht darin den Klienten ihre benötigte Medikation zu verabreichen. Gerade wenn mehrere Medikamente eingenommen werden, ist es wichtig den Überblick zu behalten. Mit Hilfe des Medikationsplans ist das gut möglich. Ein ausgedruckter Medikationsplan ist allerdings schnell veraltet, sobald ein neues Medikament verordnet, ein anderes abgesetzt oder die Dosierung verändert wird. Dank des elektronischen Medikationsplans können Pflegefachkräfte nun stets auf die aktuelle Medikation eines Klienten zugreifen. Dieser wird automatisch aktualisiert, sobald sich etwas an der Medikation ändert. So haben alle Leistungserbringer, egal ob Ärzte, Apotheken, Kliniken oder Pflegedienste immer im Blick welche Medikamente in welcher Dosierung verordnet wurden. Auch Allergien, Unverträglichkeiten und weitere wichtige Gesundheitsinformationen können im eMP vermerkt werden.

Fazit – TI-Anschluss: Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Die Anbindung von Pflegediensten an die Telematikinfrastruktur bringt viele Vorteile mit sich. Abseits der gesetzlichen Pflicht zum Anschluss der Pflege an die TI gibt es eine Reihe guter Gründe sich jetzt schon an das TI-Netzwerk anbinden zu lassen.

Die Pflege steht aktuell vor vielen verschiedenen Herausforderungen, gesetzlicher Natur wie auch dem akuten Mangel an Pflegefachkräften. Machen Sie sich also rechtzeitig und ohne den Zeitdruck der gesetzlichen Anschlussfrist mit dem Umgang und der Nutzung der TI in Ihrem Alltag vertraut. Vermeiden Sie zudem von anderen Pflegediensten abgehängt zu werden, die schon einen Schritt weiter sind und die TI bereits nutzen.

Für den Zugang zur Telematikinfrastruktur werden zwei Authentifizierungskarten benötigt, die hintereinander beantragt werden müssen. Diese sind der elektronische Heilberufsausweis (eHBA) und der Institutionsausweis (SMC-B). Ohne diese Karten kann der Betrieb sich nicht an die TI anschließen lassen. Die Beantragung, Bestellung und Produktion dieser Karten nimmt einige Zeit in Anspruch und kann vereinzelt mehrere Wochen dauern, bevor Ihr Betrieb angeschlossen werden kann. Derzeit befindet sich die zuständige Stelle der Kartenbeantragung – das elektronische Gesundheitsberuferegister (eGBR) – noch im Pilotbetrieb, solange dies der Fall ist, sparen Sie sich dort auch noch die Bearbeitungsgebühr.

Ab Q2/2023 wird ein zusätzliches Identifikationsverfahren für Ihren Institutionsausweis (SMC-B) notwendig, der auf Ihrer Seite einen Mehraufwand bedeutet. Erledigen Sie die Beantragung der Karten bereits jetzt und sparen Sie Zeit und Geld.

Je näher die Anschlussfrist rückt, desto höher ist die Nachfrage für eine TI-Anbindung. Zum Ende des Jahres wird daher ein großer Ansturm erwartet, der Verzögerungen und Wartezeiten bei den TI-Anschlüssen von Pflegebetrieben nach sich zieht.

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