Telematikinfrastruktur
17. Aug. 2026·6 min. Lesezeit

„TI-Anbindung muss einfach sein.“

– wie thevea das Onboarding für Physiotherapiepraxen neu denkt

Steffi Dölchow
von Steffi Dölchow
„TI-Anbindung muss einfach sein.“

Cloudbasierte Softwarelösungen stellen neue Anforderungen an die Anbindung an die Telematikinfrastruktur. Klassische Installations- und Rolloutprozesse stoßen dabei schnell an ihre Grenzen. Gemeinsam mit eHealth Experts und curenect setzt thevea deshalb auf den easyTI hub, um den TI-Anschluss für Heilmittelerbringer einfach, digital und skalierbar umzusetzen. Im Interview erklärt Jonas Hoffarth, Product Owner bei thevea, welche Herausforderungen cloudbasierte Software mit sich bringt und warum neue Ansätze für die TI-Anbindung gefragt sind.

Hi Jonas, stell thevea doch einmal kurz vor. Was macht ihr und wie ist das Unternehmen entstanden?

thevea ist ein cloudbasierter Softwareanbieter für Heilmittelerbringer und Teil der opta data Gruppe. Tatsächlich ist der Grund, warum es thevea überhaupt gibt, die Telematikinfrastruktur.

Schon früh hat die opta data Gruppe erkannt, dass die TI die Arbeitsweise von Heilmittelerbringern grundlegend verändern wird. Gleichzeitig arbeitete damals noch ein großer Teil der Praxen ohne Praxissoftware. Uns war deshalb klar: Wenn wir den Markt nachhaltig weiterentwickeln wollen, müssen wir Software von Grund auf neu denken – cloudbasiert, zukunftsfähig und konsequent auf die Anforderungen der digitalen Gesundheitsversorgung ausgerichtet.

Welche Anforderungen hat eure Software an die TI gestellt?

Unsere Software ist vollständig cloudbasiert – das bringt viele Vorteile, stellt aber auch besondere Anforderungen an die TI-Anbindung, die sich grundlegend von klassischen, lokal installierten Praxisverwaltungssystemen unterscheidet.

Damit war uns schnell klar, dass wir keine Lösung aufbauen wollten, die auf Vor-Ort-Techniker:innen oder Remote-Installationen basiert. Unsere Kund:innen sind Physiotherapiepraxen, häufig kleinere Betriebe ohne eigene IT-Abteilung. Deshalb wollten wir einen Prozess schaffen, den Praxen eigenständig durchführen können – einfach, verständlich und skalierbar.

Welche Lösung ist daraus entstanden?

Zunächst haben wir mit der bestehenden easyTI-Lösung der eHealth Experts und einem technischen Piloten gearbeitet. Im Verlauf des Projekts haben wir gemeinsam mit den eHealth Experts, dem Entwickler des infinity gate (TI-Gateway), geprüft, wie sich dieses Konzept in einer Multi-Mandanten-Architektur umsetzen lässt. Dabei wurde deutlich, dass die vorhandene Lösung die Anforderungen einer cloudbasierten Software nicht ausreichend abbilden konnte.

Uns war deshalb schnell klar: Wir brauchen keinen Workaround, sondern einen neuen Ansatz. Das Ergebnis war eine Taskforce aus eHealth Experts, curenect und uns. Die Lösung ist der easyTI hub.

Der easyTI hub ist das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit verschiedener Partner. Welche Rolle haben eHealth Experts, curenect und thevea jeweils übernommen?

Der easyTI hub selbst wurde von den eHealth Experts entwickelt und bildet die technische Plattform für den cloudbasierten Zugang zur Telematikinfrastruktur.

Unsere Aufgabe bestand darin, diese Plattform nahtlos in unsere Software zu integrieren und den gesamten TI-Onboarding-Prozess für unsere Kund:innen möglichst einfach abzubilden. curenect hat uns dabei insbesondere bei der Anbindung des easyTI hubs an unsere Systeme unterstützt und seine umfangreiche TI-Expertise eingebracht. Gemeinsam konnten wir die technischen Prozesse so verzahnen, dass Anwender:innen von der Komplexität im Hintergrund möglichst wenig mitbekommen.

Das Ergebnis ist ein durchgängiger digitaler TI-Installationsprozess: Von der Bestellung über die Einrichtung bis zur Inbetriebnahme greifen die einzelnen Schritte automatisiert ineinander.

Kannst du die Funktion des easyTI hub kurz erläutern?

Der easyTI hub bildet heute die zentrale Prozessplattform für die TI-Anbindung und bündelt den Zugang zur TI in einem vollständig cloudbasierten Service.

Wir starten das TI-Onboarding direkt aus unserer Software heraus und der easyTI hub koordiniert alle weiteren Schritte im Hintergrund. Er stößt beispielsweise den Rollout an, kommuniziert mit den beteiligten Systemen und übermittelt technische Informationen wie VPN-Profile zurück an unsere Software.

Welchen Nutzen hat der easyTI hub für eure Anwender:innen?

Unser Ziel war es, den TI-Installationsaufwand für die Praxen so gering wie möglich zu halten. Unsere Anwender:innen werden innerhalb unserer Software Schritt für Schritt durch den gesamten TI-Bestell- und Installationsprozess geführt – in ihrem eigenen Tempo und dann, wenn es zeitlich in den Alltag passt.

Hat sich dieser Ansatz in der Praxis bereits bewährt?

Absolut. Bereits im Januar und Februar hatten wir die ersten Kund:innen, die sich komplett ohne persönlichen Kontakt an die TI angeschlossen haben. Heute haben wir mehrere hundert Praxen erfolgreich angebunden, ohne dass dafür Vor-Ort- oder Remote-Einsätze durch technisches Personal notwendig waren. Das zeigt uns, dass der digitale Onboarding-Prozess funktioniert und von den Anwender:innen gut angenommen wird.

Für uns ist der easyTI hub deshalb weit mehr als eine technische Schnittstelle: Er ist die zentrale Integrationsplattform, mit der wir TI-Prozesse und ihre Fachanwendungen effizient in unsere Software einbinden und unseren Kund:innen eine möglichst einfache und zukunftssichere TI-Anbindung ermöglichen können.

Wie habt ihr die Zusammenarbeit mit curenect während des Projekts erlebt?

Natürlich gab es auf allen Seiten Phasen, die etwas herausfordernder waren. Entscheidend war aber, dass alle Beteiligten immer lösungsorientiert gearbeitet haben. Besonders hilfreich war das fachliche Know-how von curenect. Durch die langjährige TI-Erfahrung aus anderen Integrationsprojekten konnten mögliche Szenarien früh erkannt und gemeinsam gelöst werden. Das hat die Entwicklung deutlich erleichtert.

Ist das Projekt für euch mit dem heutigen Stand abgeschlossen oder geht die Entwicklung weiter?

Ganz im Gegenteil. Der aktuelle Prozess ist für uns der erste wichtige Schritt. Gemeinsam entwickeln wir die Integration kontinuierlich weiter. Künftig sollen beispielsweise weitere Statusinformationen direkt in unserer Software verfügbar sein, sodass Anwender:innen den gesamten Prozess noch transparenter verfolgen können. Unser Ziel ist es, die Nutzererfahrung Schritt für Schritt weiter zu verbessern.

Viele Softwarehäuser beschäftigen sich aktuell mit der TI-Anbindung. Welchen Rat würdest du ihnen mitgeben?

Möglichst früh starten. Die TI entwickelt sich kontinuierlich weiter und umfasst längst nicht mehr nur das reine Onboarding. Mit dem easyTI hub entstehen fortlaufend neue Funktionen und Möglichkeiten. Wer früh beginnt, schafft die Grundlage, diese Entwicklungen schnell in die eigene Software zu integrieren. Aus unserer Sicht ist das ein großer Vorteil – sowohl für Softwareanbieter als auch für ihre Kund:innen. Der easyTI hub ist als lebendes System angelegt und abstrahiert viele technische Komplexitäten, sodass sich weitere Softwarelösungen vergleichsweise einfach anbinden lassen.