Telematikinfrastruktur
23. Aug. 2023·5 min. Lesezeit

Eine (Konnektor)- Zeitreise in der TI

Über die Jahre hat die Art der TI-Anbindung sich technisch weiterentwickelt. Schauen wir uns den Entwicklungsweg näher an und klären die wichtigsten Begriffe.

von Michael Backhaus

Installation ‚on premise‘, TI as a Service, mobile TI, Highspeedkonnektor, TI-Gateway… All das sind Begriffe, die mittlerweile im Wortschatz zu finden sind, wenn man über die Telematikinfrastruktur spricht. Aber was hat es mit diesen Begriffen auf sich und was bedeuten sie? Wir räumen auf mit den ‚Buzzwords‘ und erklären, was wirklich dahintersteckt.

Wie alles begann

Ärztinnen und Ärzte waren eine der ersten Berufsgruppen, die an die Telematikinfrastruktur angeschlossen wurden. Zu dieser Zeit war es gängige Praxis eine ‚on premise‘ Installation vorzunehmen. Das heißt die Hardware, die für den Zugang zur TI notwendig ist, steht in den jeweiligen Praxisräumen der Leistungserbringer. Konkret bedeutet das, dass ein Einboxkonnektor sowie ein Kartenlesegerät vor Ort aufgebaut und initialisiert werden. Bei dieser Lösung kann es Vor- und Nachteil zugleich sein, die Technik in der eigenen Hand zu haben, denn man hat die Komponenten zwar direkt in der eigenen Verantwortung, sollte es allerdings dazu kommen, dass etwas nicht funktioniert, liegt auch der Anstoß zur Problembehebung zunächst einmal beim Praxisinhaber selbst. Er muss sich eigenständig um Support bei seinem Dienstleister kümmern, damit ein Techniker sich um den Störungsfall kümmert und alles wieder reibungslos funktioniert. Im aller schlimmsten Fall fällt die TI für einige Zeit komplett aus.

Wo wir heute stehen

Ein Entwicklungsschritt auf dem Zeitstrahl der Konnektorzeitreise war die Anbindung von Praxen und Betrieben in einem professionellen Rechenzentrum. Hierbei kommen hochleistungsstarke Rechenzentrumskonnektoren zum Einsatz, die zentral in einem Rechenzentrum administriert werden und eine sichere Anbindung der Leistungserbringer gewährleisten. Vor Ort in der Praxis oder Einrichtung wird bei dieser Lösung nur noch ein Kartenlesegerät in Betrieb genommen, dass wiederum eine Verbindung zum Konnektor im Rechenzentrum aufbaut. Diese Art der Anbindung nennt man ‚TI as a Service‘, da der Zugang zur TI ein Service ist, der dem Leistungserbringer angeboten wird. Klarer Vorteil bei dieser Weiterentwicklung ist, dass ein professionelles Rechenzentrum nicht nur deutlich höhere Sicherheitsmechanismen aufweist, es wird auch rund um die Uhr an allen Tagen der Woche überwacht. Tritt hier also einmal eine Störung auf, wird diese sofort erkannt, automatisch gemeldet und kann direkt behoben werden, ohne Handlungsbedarf seitens der Leistungserbringer.

Da immer mehr Berufsgruppen Zugang zur TI erhalten, die viel oder überwiegend mobil arbeiten, gibt es für diesen Anwendungsfall bereits erste Entwicklungen für einen Zugriff auf die Telematikinfrastruktur von unterwegs. Da die Fachanwendungen der TI wie die elektronische Patientenakte (ePA) oder auch der elektronische Medikationsplan (eMP) aus der eigenen Software heraus genutzt werden, gibt es hier die Möglichkeit diese auch mobil verfügbar zu machen. Wenn eine Praxis- oder Branchensoftware also mobil über ein Endgerät wie ein Tablet oder Smartphone verfügbar ist, können darüber auch die TI Anwendungen von unterwegs genutzt werden. Darüber hinaus gibt es bereits mobile Kartenlesegeräte, die mit auf Hausbesuche genommen werden können, allerdings fehlt ihnen noch die Funktion in Echtzeit auf die TI zugreifen zu können. Daten können in diesem Gerät aktuell nur zwischengespeichert werden und müssen zurück im Betrieb noch einmal mit der TI synchronisiert werden. Der Schritt hin zu einem Live-Zugriff und einer Übertragung in die TI von unterwegs befindet sich derzeit noch in der Entwicklung.

Das Ziel fest im Blick

Immer häufiger taucht in den letzten Monaten der Begriff Highspeed Konnektor (HSK) auf. Was hat es nun damit auf sich? Wieder eine neue Hardware, die Einbox- und Rechenzentrums-Konnektoren ablösen? Ja und nein, denn der Highspeed Konnektor soll die Hardware zwar perspektivisch ablösen, ist allerdings eine softwarebasierte Lösung und kein neues, physisches Gerät. Hierzu wird eine Vielzahl einzelner virtueller Konnektor Instanzen in einer Serverumgebung im Rechenzentrum initialisiert. Diese einzelnen virtuellen Konnektor Instanzen ersetzen dann die physischen Konnektoren und sind ein wichtiger Schritt in der Entwicklung in Richtung TI 2.0. Der virtuelle bzw. softwarebasierte HSK bietet nicht nur Performance-Vorteile, sondern ist auch zukunftssicherer und flexibler im Handling zum Beispiel bei Weiterentwicklungen der TI, Änderungen oder Updates.

Der Highspeed Konnektor ist zudem eine wichtige Komponente beim aktuellen Ziel, dem TI-Gateway. Das TI-Gateway besteht aus dem HSK sowie dem Zugangsmodul und dem Intermediär. Über dieses Gateway können sich medizinische Einrichtungen virtuell und vor allem sicher und verschlüsselt mit einem Rechenzentrum verbinden, in dem der HSK initialisiert wurde. In diesem Fall liegt die Verantwortung für das TI-Gateway ebenfalls beim TI-Anbieter, der für den ordnungsgemäßen Betrieb zuständig ist.

Das Beste daran ist: Mit all dem müssen Leistungserbringer sich nicht beschäftigen, denn mit ihrem Anschluss im Rechenzentrum über TI as a Service, der aktuell noch über Rechenzentrums-Konnektoren läuft, haben sie bereits den wichtigsten Schritt in die zentrale Umgebung gemacht. Der Switch von TIaaS auf den HSK bzw. das TI-Gateway kann umgesetzt werden, ohne dass der Ablauf oder Betrieb des Leistungserbringers gestört wird. Das ist Aufgabe des TI-Dienstleisters und wird durch professionelle und geschulte Techniker umgesetzt.

Sollten Sie Fragen oder Anregungen zu diesem Artikel haben, schreiben Sie uns gerne unter info@curenect.de oder vernetzen Sie sich mit unserem LinkedIN Account.