Telematikinfrastruktur
27. Nov. 2025·4 min. Lesezeit

Heilmittelpraxen: Die Frist ist verschoben – die Zukunft nicht

TI-Anschluss für Heilmittelpraxen: Warum trotz Fristverschiebung jetzt der richtige Zeitpunkt ist

Steffi Dölchow
von Steffi Dölchow
Heilmittelpraxen: Die Frist ist verschoben – die Zukunft nicht

Frist verschoben – aber Digitalisierung bleibt Pflichtaufgabe

In den vergangenen Wochen herrschte viel Unsicherheit: Medienberichte, Verbandsmeldungen und Diskussionen in der Praxislandschaft deuteten auf eine Verschiebung der TI-Anschlussfrist für Heilmittelerbringer hin. Mittlerweile liegt ein offizieller Änderungsantrag zum „Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege“ vor – und er bestätigt die neue Frist: Der verpflichtende TI-Anschluss soll auf den 1. Oktober 2027 verlegt werden.

Viele Praxen fragen sich nun, ob sie das Thema einfach nach hinten schieben können. Doch dieser Eindruck täuscht. Denn eine spätere gesetzliche Deadline bedeutet nicht, dass die TI an Bedeutung verliert. Im Gegenteil: Die Digitalisierung schreitet in allen Sektoren voran, und Heilmittelpraxen profitieren bereits heute von Anwendungen, die den Praxisalltag spürbar erleichtern. Gleichzeitig betonen Branchenverbände wie der dbl, die selbst eine Fristverschiebung gefordert hatten, ausdrücklich, dass Praxen den TI-Anschluss weiterhin aktiv angehen sollten.

Die Finanzierungsvereinbarung bleibt bestehen

Ein besonders wichtiger Punkt: Die Fristverschiebung hat keine Auswirkungen auf die bestehende Finanzierungsvereinbarung. Praxen, die frühzeitig einsteigen, erhalten weiterhin die vorgesehene Förderung für den TI-Anschluss. Damit bleibt der wirtschaftliche Anreiz bestehen – und ein zentrales Argument für das Abwarten entfällt.

Welche Vorteile der TI-Anschluss schon heute bringt

Auch wenn viele die TI vor allem mit zukünftigen Anwendungen wie der elektronischen Verordnung (eVO) verbinden, bietet sie bereits jetzt konkrete Mehrwerte. Mit dem sicheren Kommunikationsdienst KIM steht ein sektorenübergreifendes Kommunikationsmittel zur Verfügung, das den Austausch mit Ärztinnen und Ärzten spürbar vereinfacht. Rückfragen zu Verordnungen lassen sich schneller klären, Befunde können sicher übermittelt und Abstimmungsprozesse ohne ständige Telefonate erledigt werden.

Für Heilmittelpraxen, die im Alltag eng mit Ärztinnen und Ärzten zusammenarbeiten müssen, bedeutet das: weniger organisatorische Hürden, weniger Medienbrüche und mehr Zeit für Patientinnen und Patienten. Viele Praxen, die KIM bereits nutzen, berichten von konkreten Entlastungseffekten im administrativen Bereich.

Blick nach vorn: eVO als entscheidender Schritt für die Versorgung

Während die eVO für viele noch Zukunftsmusik ist, laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Die elektronische Verordnung wird die Abläufe in Heilmittelpraxen grundlegend verändern und den Umgang mit Papier, Nachreichen und händischen Prüfprozessen deutlich vereinfachen. Um die eVO empfangen und sicher verarbeiten zu können, ist eine TI-Anbindung zwingend notwendig. Praxen, die sich heute anschließen, sind daher bestens vorbereitet, sobald die eVO flächendeckend startet.

Warum Aufschieben zum Risiko werden kann

Auch wenn die Frist mehr Zeit schafft, ist ein später Einstieg nicht unbedingt von Vorteil. Erfahrungsgemäß kommt es kurz vor gesetzlichen Stichtagen zu hohen Nachfragen nach Technik, Support und Installation – was zu Engpässen führt. Praxen, die erst 2027 starten, riskieren Stress, Verzögerungen und die Herausforderung, sich in kurzer Zeit in eine neue digitale Infrastruktur einarbeiten zu müssen. Zudem verschenken sie bis dahin wertvolle Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung, die durch KIM und andere TI-Anwendungen bereits heute zur Verfügung stehen.

Digitalisierung ist kein kurzfristiges Projekt, sondern ein Prozess, der Zeit, Wissen und Integration in die Praxisabläufe benötigt. Früh anzufangen bedeutet, diesen Prozess sicher und ohne Druck zu gestalten.

Fazit: Die Frist mag verschoben sein – die Zukunft nicht

Die geplante Fristverschiebung schafft mehr Raum zur Planung. Doch sie ändert nichts am grundsätzlichen Ziel: Heilmittelpraxen sollen sicher, effizient und digital in die Versorgung eingebunden werden. Die TI bleibt das Herzstück dieser Entwicklung – und der frühzeitige Anschluss ist weiterhin die klügste Entscheidung.

Wir bei curenect halten daher klar fest: Auch wenn die Anschlussfrist verschoben wird, setzen wir unseren Kurs fort und unterstützen Heilmittelerbringer aktiv dabei, sich sicher und zukunftsfähig an die TI anzubinden. Wer jetzt handelt, profitiert von Förderung, Effizienz und einem deutlichen Vorsprung – und gestaltet die Zukunft seiner Praxis bereits heute.