Telematikinfrastruktur
3. Jan. 2024·4 min. Lesezeit

Digitales Gesundheits­wesen | Wegweiser

Ende 2023 veröffentlichte die gematik im TI-Atlas erneut den Stand der Digitalisierung des Gesundheitswesens im Vergleich zum Vorjahr.

Christin Woelk
von Christin Woelk
Digitales Gesundheits­wesen | Wegweiser

Was ist der TI-Atlas?

Seit 2021 veröffentlicht die gematik einmal im Jahr den TI-Atlas mit Zahlen, Daten und Fakten wie es um die Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens und somit der Telematikinfrastruktur steht. Die Publikation richtet sich sowohl an Versicherte, Leistungserbringer und neue Nutzergruppen und gibt einen guten Überblick über den aktuellen Stand der Dinge. Die veröffentlichten Informationen und Daten werden mittels offizieller Umfragen erhoben und spiegeln so den aktuellen Fortschritt der Digitalisierung im Gesundheitssystem wider. Für die neueste Version des TI-Atlas‘ widmete man sich Fragen zum eRezept und deren Einführung, Offenheit der Menschen für die elektronische Patientenakte oder auch was bereits gut funktioniert und was noch Verbesserungspotenzial birgt. Übersichtlich und interaktiv aufbereitet werden die Ergebnisse auf einer eigenen Seite der gematik dargestellt.

Welche interessanten Insights der Versicherten gibt es?

Aus der Perspektive der gesetzlich Versicherten sprechen sich 85% für eine Nutzung der elektronischen Patientenakte aus, das sind 5% mehr als im Vorjahr. 64% der Versicherten möchten ihre Gesundheitsdaten selbst digital verwalten und sogar 72% der Versicherten wünschen sich, dass alle Akteure im Behandlungsfall auf ihre Daten zugreifen können.

Über 80% der gesetzlich Versicherten halten es für sinnvoll, dass Informationen wie Arztbriefe, Befunde, Röntgenbilder usw. in digitaler Form vorliegen und behandelnde Einrichtungen und Therapeuten Zugriff darauf haben sollten sowie eine zentral gespeicherte Medikation, die ebenfalls für Einrichtungen und Behandler abrufbar ist.

Die Menschen sind offen für digitale Lösungen und es ruhen große Hoffnungen auf den Möglichkeiten, die die Digitalisierung dem Gesundheitswesen bietet. Wenn das nicht Grund genug ist sich an das Netz der Telematikinfrastruktur anschließen zu lassen, liest im nächsten Abschnitt mehr aus der Perspektive der Leistungserbringer.

Wie ist der Stand bei den Leistungserbringern?

Den vollen Mehrwert aller Vorteile der Digitalisierung bietet die Telematikinfrastruktur (TI) nur, wenn alle Akteure des deutschen Gesundheitswesens an das digitale Netz angeschlossen sind. Nur dann können alle Nutzergruppen von digitalen Anwendungen vollumfänglich profitieren. Dazu gab es 2023 deutliche Fortschritte gegenüber dem Vorjahr. Immer mehr Einrichtungen und Betriebe sind TI-fähig. In Zahlen ausgedrückt heißt dies:

  • Krankenhäuser 53% (Vorjahr 25%)
  • Arztpraxen 71% (Vorjahr 43%)
  • Zahnarztpraxen 75% (Vorjahr 56%)
  • Apotheken 81% (Vorjahr 42%)
  • Psychotherapeuten 54% (Vorjahr 39%)

Ähnlich hoch ist auch die Zahl der TI-Anwendungen, die stabil und reibungslos laufen in den Einrichtungen. Dabei ist der abgesicherte E-Mail Dienst KIM (Kommunikation im Medizinwesen) die beliebteste und am häufigsten verwendete Fachanwendung in der TI.

Potenzial gibt es noch in der Information und Aufklärung über die digitalen Fachanwendungen der Telematikinfrastruktur. Etwa die Hälfte der Leistungserbringer wünschen sich mehr Informationen zu den einzelnen Fachanwendungen und deren Nutzung.

Und wie steht es um die sonstigen Leistungserbringer?

Die Nutzung und Erfahrungswerte der oben genannten Leistungserbringer ist absolut hilfreich und wertvoll, allerdings interessieren uns natürlich auch die sonstigen Leistungserbringer wie Pflegebetriebe, Physiotherapeutische Praxen, Hebammen und Geburtshelfer. Diese sind als neue Nutzergruppe für den TI-Atlas befragt worden.

Die Stimmung in dieser Nutzergruppe ist gemischt hoffnungsvoll. Viele erhoffen sich durch die Digitalisierung einen Fortschritt, Verschlankung von Prozessen, Entlastung des Personals oder Kosteneinsparungen. Allerdings sehen viele Befragte auch Hürden insbesondere in den finanziellen und zeitlichen Aufwänden, die ein Anschluss an die TI der Praxen und Betriebe mit sich bringt.

Die Vorteile, die digitale Anwendungen mit sich bringen werden von sonstigen Leistungserbringern definitiv wahrgenommen. So können sich etwa 60-70% vorstellen KIM oder auch den TI-Messenger als sichere Kommunikationskanäle zu nutzen. Auch die Bereitschaft zur Nutzung des eRezepts ist mit über 70% (variiert je Nutzergruppe) sehr hoch.

Fazit

Es ist schon ein gutes Stück geschafft, viele Akteure erkennen den Mehrwert, es gibt jedoch noch Luft nach oben, damit die Digitalisierung und damit die Telematikinfrastruktur ihr volles Potenzial entfalten kann. Wer tiefer ins Thema eintauchen möchte, findet auf den Seiten der gematik detailliertere Informationen zum TI-Atlas und dem Stand der Digitlaierung.

Zum interaktiven TI-Atlas

Zu den detaillierten Ergebnissen des TI-Atlas

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