Telematikinfrastruktur
5. Feb. 2026·4 min. Lesezeit

TI ohne Institutionskarte (SMC-B) – wie funktioniert das?

Schritt für Schritt wird die Telematikinfrastruktur einfacher.

Steffi Dölchow
von Steffi Dölchow
TI ohne Institutionskarte (SMC-B) – wie funktioniert das?

Ein Meilenstein auf diesem Weg ist die digitale Alternative zur SMC-B, auch bekannt als Institutionskarte oder Institutionsausweis. Bisher wird die Karte benötigt, um Gesundheitseinrichtungen in der TI zu identifizieren. Ohne die Karte ist ein Zugriff auf KIM, ePA und weitere TI-Anwendungen derzeit also nicht möglich.

Das soll sich ändern. Welche Veränderung auf uns zukommt und wie das funktioniert, erklärt Jan Hesmert, Technologieexperte bei unserem Partner ehex.

Jan, zukünftig soll die TI ohne physischen Institutionsausweis (SMC-B) nutzbar werden. Wie geht das?

Wir führen im infinity gate - dem TI-Gateway von ehex, das auch curenect nutzt - das Feature HSM-B ein. Damit wird es möglich, statt einer physischen Karte – der SMC-B – einen virtuellen Institutsausweis – die HSM-B – zu nutzen. Die HSM-B wird sicher im infinity gate gehostet und ist deutlich stabiler und performanter.

Wofür steht HSM-B? Und wie funktioniert die Technologie?

In der Abkürzung HSM-B steckt das HSM (Hardware Security Module oder Hardware-Sicherheitsmodul). Ein HSM ist ein hochsicheres Gerät, auf dem kryptographische Operationen durchgeführt werden. Die HSM-B ist technisch eine virtuelle SMC-B, die in einem HSM läuft. Zum Feature HSM-B gehört aber auch eine sichere und durch die gematik spezifizierte Schnittstelle zur Übertragung von Daten zwischen dem Kartenherausgeber und dem TI-Gateway. Hierdurch wird sichergestellt, dass die Institutsidentitäten wirklich nur den Nutzer*innen zugänglich gemacht werden, für die sie bestimmt sind. Diese Lösung ist somit deutlich schneller und komfortabler für den Endnutzer und bietet gleichzeitig ein weit höheres Maß an Schutz gegenüber Identitätsdiebstahl und Missbrauch.

Was bedeutet das für den Arbeitsalltag von Leistungserbringern?

HSM-B bietet für den Leistungserbringer eine Reihe von Vorteilen: Die HSM-B läuft im selben Rechenzentrum, in dem sich auch die virtuellen Konnektoren befinden. Damit entfällt die Verbindungsstrecke zwischen Kartenterminal und Konnektor komplett und Verbindungsabbrüche gehören der Vergangenheit an. Die Performance ist deutlich besser, was sich vor allem bei großen Leistungserbringerinstitutionen wie Krankenhäusern auszahlt. Durch das Hosting in einer hochverfügbaren und redundanten Infrastruktur ist ein Ausfall der HSM-B aus Sicht des Leistungserbringers praktisch ausgeschlossen. Last but not least entfällt das lästige Eingeben der SMC-B-PIN vollkommen: Eine HSM-B wird einmalig aktiviert und läuft ab diesem Zeitpunkt unterbrechungsfrei.

Für TI-Einsteiger wie Hebammen bietet HSM-B die Möglichkeit, einen 100 Prozent cloud-basierten und mobilen TI-Zugang zu realisieren, völlig ohne Hardware vor Ort.

Heißt das, in Zukunft werden gar keine SMC-B mehr benötigt?

Richtig, die HSM-B ersetzt die SMC-B komplett. Funktional stellt sich die HSM gegenüber PVS- oder KIS-Systemen wie eine SMC-B dar, ist also völlig ohne Migrationsaufwand sofort nutzbar. Nur eben schneller, stabiler, sicherer.

Werden Gesundheitseinrichtungen gezwungen, HSM-B einzusetzen?

Nein. Auf absehbare Zeit werden beide Formen der Institutionsausweise, also SMC-B und HSM-B, ausgegeben. Gesundheitseinrichtungen können frei entscheiden, welche Technologie sie nutzen. Allerdings ermöglicht HSM-B einige Nutzungsszenarien, die mit einer SMC-B nicht machbar sind. Wir sind deshalb fest davon überzeugt, dass sich HSM-B innerhalb kürzester Zeit als de-facto-Standard im Kontext des TI-Gateways etablieren wird. Einfach weil die Technologie so viel besser funktioniert als der bisherige Standard.

Wann erhalten erste Leistungserbringer Zugriff auf die neue Technologie?

Wir rechnen damit, dass das Feature in unserem TI-Gateway ab April 2026 live gehen wird. Nutzer auf dem infinity gate, also auch Kunden von curenect, erhalten die HSM-B-Funktionalität mit einem Update auf die Version 2.0 des infinity konnektor. Die tatsächliche Nutzbarkeit hängt dann davon ab, wie schnell die Kartenherausgeber das Feature für die verschiedenen Nutzergruppen umsetzen. Wir stehen hier im engen Austausch mit allen großen Akteuren und versuchen, so schnell wie möglich möglichst viele Nutzer von den deutlichen Verbesserungen profitieren zu lassen.

Könnte in Zukunft auch der persönliche Heilberufsausweis (eHBA) überflüssig gemacht werden?

Technisch wäre ein virtueller HBA für uns sehr leicht umzusetzen. Der jetzt bestehende Weg zur Übertragung der HSM-B in das TI-Gateway könnte hierfür mit minimalen Anpassungen nachgenutzt werden. Wir haben einen entsprechenden Vorschlag auch bereits der gematik unterbreitet. Im Unterschied zur SMC-B stellt der HBA allerdings eine persönliche Identität dar und würde eine qualifizierte Fernsignatur anbieten, was die Hürden für eine Zertifizierung stark erhöht. Wir bleiben aber am Ball und versuchen auch hier, schon bald eine kartenlose Variante anbieten zu können.