Telematikinfrastruktur
16. Juni 2026·6 min. Lesezeit

Die unterschätzten Tools neben dem TI-Gateway

Ein neues Software‑Ökosystem erleichtert die TI‑Arbeit deutlich. Produktexpertin Annika Wildenblanck von ehex zeigt, was dahintersteckt.

Linda Hüttermann
von Linda Hüttermann
Die unterschätzten Tools neben dem TI-Gateway

Mit dem TI-Gateway hat sich mehr verändert als nur die Technik hinter dem Anschluss. Für Reseller, DVO und Leistungserbringer ist ein neues Software-Ökosystem entstanden, das die tägliche Arbeit mit der TI effizienter macht. Was dahintersteckt und warum die Tools neben dem Konnektor fast genauso wichtig sind wie der Konnektor selbst, erklärt Annika Wildenblanck, Produktexpertin bei unserem Partner ehex.

Annika, viele denken beim TI-Gateway einfach an den direkten Weg in die TI. Was wird dabei gerne übersehen?

Im Fokus steht natürlich immer der direkte Weg in die TI. Das sogenannte Zugangsmodul ist aber nur ein Teil eines Gesamtsystems des TI-Gateways. Für den täglichen Betrieb fast genauso entscheidend ist die Software-Schicht daneben, die viele zunächst gar nicht auf dem Schirm haben. Für Reseller, DVO und Leistungserbringer sind das beim TI-Gateway von ehex vor allem zwei Tools: das infinity portal und der infinity key.

Was ist der Unterschied zwischen den beiden?

Man kann es so beschreiben: Der infinity key wird direkt beim Leistungserbringer installiert und dient der Konfiguration eines Konnektors. Damit werden beispielsweise Kartenterminals verbunden oder Aufrufkontexte verwaltet.

Darüber steht das infinity portal, es geht über den einzelnen Konnektor hinaus. Dort können Benutzer, Konnektoren und VPN-Zugänge angelegt und verwaltet werden.

infinity key und portal arbeiten Hand in Hand.

Wer arbeitet womit?

Das kommt auf die jeweilige Rolle an. Ein reiner Reseller, der nur verkauft, bewegt sich im Portal. Sobald ein Reseller auch technisch vor Ort tätig ist, also die Rolle eines DVO übernimmt, kommt auch der Key dazu. Leistungserbringer selbst nutzen beides.

Wie war das eigentlich beim Einbox-Konnektor? Gab es da schon etwas Vergleichbares?

Nein, wirklich nicht. Der Einbox-Konnektor war im Grunde eine reine Vor-Ort-Lösung. Wer sich die Kiste hingestellt hat, war Betreiber seines eigenen Geräts. Durch die neue Architektur sind viele Verwaltungsmöglichkeiten rund um einen Konnektor hinzugekommen. Beim TI-Gateway kommt diese organisatorische Schicht zum ersten Mal dazu.

Die Tools rund um das TI-Gateway sind zunächst eine Vorgabe der gematik. Welche Funktionen sind Vorschrift? Und was können sie darüber hinaus leisten?

Die gematik macht klare Vorgaben dazu, welche Funktionen ein TI-Gateway erfüllen muss. Damit schafft sie die Grundlage für einen sicheren und zuverlässigen Betrieb. Es ist klar geregelt, welche Beteiligten welche Informationen einsehen dürfen und welche Aufgabe sie durchführen können. Zum Beispiel darf ein Betreiber nicht sehen, welche einzelnen Leistungserbringer es überhaupt gibt. Wer für das Rechenzentrum verantwortlich ist, weiß also nicht, welche Praxis oder Gesundheitseinrichtung darüber auf die TI zugreift. Das ist Datenschutz, das ist Pflicht. Die Umsetzung und Gestaltung ist aber Sache des Herstellers. Bei ehex haben wir uns überlegt, wie feingranular wir Rechte vergeben können. Bestimmte User dürfen Informationen nur einsehen, andere dürfen Organisationseinheiten anlegen oder ändern.

Die Vorgaben sind klar definiert – die konkrete Umsetzung und Ausgestaltung liegt jedoch beim Hersteller. Auch bei Themen wie den verschiedenen Konnektorgrößen oder dem Konzept der Umgebungen, in denen mehrere Konnektoren und VPN-Verbindungen logisch zusammengefasst werden können, gibt es viel Spielraum in der Umsetzung. Wir haben diese Spielräume auch genutzt, um die Remote-Arbeit zu erleichtern - So können zum Beispiel DVO viele Aufgaben aus der Ferne erledigen und müssen nicht für jede Unterstützung oder Änderung vor Ort sein.

Wie sieht dieser Gestaltungsspielraum bei einem großen Leistungserbringer mit mehreren Standorten konkret aus?

Über das Portal lassen sich die TI-Zugänge wirklich gut strukturieren. Es ist beispielsweise möglich, verschiedene Standorte anzulegen, denen TI-Gateway-Instanzen und VPN-Zugänge zugewiesen werden. Dabei lassen sich auch klare Grenzen ziehen, sodass Standort A und Standort B jeweils nur Zugriff auf die eigenen Konnektoren haben. Ein DVO, der für beide Einrichtungen zuständig ist, hätte trotzdem Zugriff auf die Komponenten beider Standorte. Die Tools sind komplett skalierbar, von der Einzelpraxis bis zum Haus mit vielen Standorten.

Diese Flexibilität im Setup ist eine große Chance. Deshalb ist meine Empfehlung für Reseller und DVO: Ein Konzept für die Struktur der TI-Zugänge ist ein guter Startpunkt. Es lohnt sich, das bewusst anzugehen, um das Beste aus dieser Flexibilität rauszuholen.

Welchen Vorteil hat ein solches Setup im laufenden Betrieb? Was leisten diese Tools, falls es eine Störung gibt?

Ja, das ist ein wirklich wichtiger Aspekt. Jedes Setup bei einem Leistungserbringer ist einzigartig. Deshalb sind Werkzeuge wichtig, die eine schnelle Fehleranalyse ermöglichen.

Im infinity portal gibt es schon bei der Installation Schritt für Schritt Rückmeldung: Wurde der Konnektor erfolgreich angelegt? Hat die Registrierung der IP-Adresse funktioniert? Steht die Internetverbindung? Viele kleine Dinge werden wie in einer Checkliste geprüft und sichtbar gemacht. Es wird also sofort klar, wo es hakt.

Ähnlich ist es dann im laufenden Betrieb. Das infinity portal zeigt Punkte wie den VPN-Status oder verfügbare Firmware-Updates übersichtlich an, während der infinity key mögliche Fehlermeldungen aus dem Konnektor anzeigen kann. Das Ziel ist klar: Das Troubleshooting soll so einfach wie möglich sein, im besten Fall ist ein Problem direkt lösbar, ohne weiteren Support-Bedarf.

Welche Hebel hat ein TI-Gateway-Hersteller darüber hinaus, um die Arbeit so einfach wie möglich zu machen?

Das User Interface hat für uns einen sehr hohen Stellenwert. Wir diskutieren wirklich lange über einzelne Buttons oder Ansichten, weil wir wissen: Wie eine Oberfläche aufgebaut ist, bestimmt, wie schnell jemand das findet, was gerade benötigt wird. Das klingt nach Details, aber genau das zahlt sich im Alltag aus. Wir bekommen sehr positives Feedback zu unserem Interface, gerade weil es modern ist und sich intuitiv anfühlt.

Ein anderes Beispiel ist die Migration. Wer vorher einen secunet Konnektor genutzt hat, kann mit dem infinity key das Backup ohne Umwege importieren. Verbundene Kartenterminals und andere Einstellungen werden dann direkt in den Konnektor übernommen. Das macht den Wechsel zum TI-Gateway wirklich unkompliziert und schnell.

Also lohnt es sich, bei der Entscheidung für einen TI-Gateway-Partner auch auf die Tools neben dem Anschluss zu schauen.

Auf jeden Fall. TI-Gateway ist nicht gleich TI-Gateway. Die gematik gibt einen Mindestrahmen vor, wie die Arbeit mit dem TI-Gateway organisiert wird – es bleibt aber viel Gestaltungsspielraum. Wie die Tools dann tatsächlich gebaut sind, kann sich in Bedienbarkeit, Struktur und Fehlerdiagnose sehr unterscheiden. Das beeinflusst am Ende, wie viel Aufwand täglich entsteht. Für Reseller, DVO und Leistungserbringer macht das einen echten Unterschied. Bei ehex investieren wir sehr viel Zeit in genau diese Details – damit curenect und alle angeschlossenen Leistungserbringer möglichst reibungslos mit der TI arbeiten können.