Telematikinfrastruktur
28. Mai 2024·5 min. Lesezeit

Was die TI aus Nutzersicht mitbringen muss

Was sich Leistungserbringer aus Pflege, Physiotherapie, Geburtshilfe, Logopädie, Ergotherapie und Podologie von der TI wünschen.

Christin Woelk
von Christin Woelk
Was die TI aus Nutzersicht mitbringen muss

Bislang ist nur ein kleiner Teil der Sonstigen Leistungserbringenden an die Telematikinfrastruktur (TI) angeschlossen, auch wenn sich einige Berufsgruppen aus diesem Bereich bereits seit einiger Zeit freiwillig anbinden können. Viele begegnen der TI mit gemischten Gefühlen und Skepsis, allerdings steht die verpflichtende Anbindung allen Akteuren zum Jahr 2026 bevor. Unser Partner, die Worldline Healthcare, hat dies zum Anlass genommen verschiedene Vertreter aus den Berufsgruppen Pflege, Physiotherapie, Geburtshilfe, Logopädie, Ergotherapie und Podologie zu ihren bisherigen Erfahrungen mit der Telematikinfrastruktur (TI) zu interviewen, um ihre Bedürfnisse und Sichtweisen besser zu verstehen. In diesem Blogbeitrag möchten wir die Ergebnisse, die Worldline gewonnen hat, gerne teilen.

In den durchschnittlich einstündigen Interviews wurden unter anderem Fragen zu dem schon vorhandenen Wissen zur TI, der Sicherheit im Umgang mit Technik und bislang getroffenen Vorbereitungen für einen TI-Anschluss gestellt. Daneben wurden Kriterien abgefragt, die die Befragten als wichtig bei der Anschaffung von TI-Komponenten erachten, ob sie um die Refinanzierung der TI-Anbindung wissen und bei welchen Alltagsszenarien sie sich Vorteile durch die Anbindung an die TI erhoffen. Dabei ging es in erster Linie darum, Einblicke in die tatsächlichen Alltagsszenarien und Herausforderungen zu erlangen, diese besser zu verstehen und die bisherigen Erfahrungen dieser Berufsgruppen in Bezug auf die TI aus erster Hand zu sammeln.

Erste Insights

91% der Befragten hatten den Begriff TI schonmal gehört oder wussten auch schon konkreteres dazu. Immerhin 17% der Befragten haben mit den Planungen für ihren TI-Anschluss begonnen, während der Großteil der Befragten (65%) sich noch gar nicht näher mit ersten Planungen beschäftigt hat und auch noch gar nicht weiß, bis wann sie diesen vornehmen wollen. Auffällig war vor allem auch, dass der Hälfte der Befragten nicht bekannt war, dass die Anbindung an die TI finanziert wird – eine mögliche Erklärung dafür, dass beispielsweise ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen bisher nur 32 Prozent der zur Verfügung stehenden Fördergelder für digitale und technische Anschaffungen in Anspruch genommen haben, wie auf dem Pflegeportal Bibliomed in dem Artikel „Verschenktes Geld: Viele Pflegeeinrichtungen nutzen Förderung nicht“ vom 08.02.2024 zu lesen ist.

Während bereits 90% der Befragten zwar schon mit einer entsprechenden Software, dem Grundstein für die Anbindung an die TI, arbeiten und bereits einige Prozesse digitalisiert haben, so kümmert sich mehr als die Hälfte noch selbst um alle technischen Fragestellungen im Alltag und arbeitet nicht mit einem IT-Dienstleister zusammen. Dabei fühlt sich ein Drittel der Befragten im Umgang mit Technik alles andere als sicher. Da ist es nicht weiter verwunderlich, dass eine einfache Bedienbarkeit der TI-Komponenten mit Abstand am häufigsten genannt wird, wenn es darum geht, besonders wichtige Must-haves aus Sicht der Befragten zu benennen. Als zweitwichtigster Aspekt wird zudem ein guter Support durch einen Dienstleister mit erreichbaren Ansprechpartnern gewünscht. Denn als größter Schmerzpunkt wird ganz klar mangelnde Unterstützung und schlechte Erreichbarkeit der Softwarehäuser benannt. Dies verstärkt die Sorge der Befragten, dass mit noch mehr Technik noch mehr Probleme auftreten und die Ansprechpartner noch weniger erreichbar sind. Denn eine störungsfrei funktionierende Technik wird ganz klar als Voraussetzung für die Akzeptanz der TI gesehen. In diesem Zusammenhang wird immer wieder auf die Kernaufgabe, die Patientenversorgung, verwiesen und dass im Alltag keine Zeit dafür ist, sich mit komplizierter Technik auseinander zu setzen.

Worauf Hoffnungen der Nutzer liegen

Trotz aller Skepsis die technischen Aspekte der TI-Anbindung betreffend, so begegnen die Befragten vor allem den TI-Anwendungen und dadurch erhofften Vorteilen sehr offen und positiv. Bei allen Nennungen standen vor allem Zeitersparnis und eine bessere Versorgung der Patienten im Vordergrund. Durch den Zugriff auf Bilder, Befunde, Vorerkrankungen, Medikationspläne, etc. wird eine umfassendere Anamnese mit verkürzten Anamnesezeiten möglich und bringt unterm Strich mehr Zeit für die Patienten. Insbesondere, dass Daten dann nicht mehr mühselig zusammengetragen werden müssen und mehr Hintergrundinfos, auch zu für den Patienten eher nebensächlichen Grunderkrankungen, Unfällen, o.ä. zur Verfügung stehen könnten, wird als sehr positiv bewertet. Alle Befragten erhoffen sich direktere und schnellere Kommunikationswege mit Ärzten, Apotheken, anderen Therapeuten, etc., um in einen schnelleren Austausch zu kommen und weniger herumtelefonieren zu müssen. Schlussendlich wird auch das Thema mobiler Zugriff und Dokumentation, wie z.B. bei Hausbesuchen oder in der ambulanten Pflege, immer wieder hervorgehoben. Wenn dann noch eine digitale / automatisierte Datenerfassung möglich wird, so dass manuelle Prozesse und händische Eingaben weitestgehend reduziert werden können, sinkt nicht nur die Fehlerquote bei Eingaben, sondern es wird auch deutlich weniger Papier im Alltag benötigt.

Fazit

Einfach, verlässlich, reibungslos – so sollte der TI-Anschluss sein. Und neben verlässlichen Zeitplänen, zuverlässigem Support mit leicht verständlichen Anleitungen und im Alltag Entlastung bringenden TI-Anwendungen, bedarf es noch einiger Information und Aufklärung im Markt, um nicht nur die Wissenslücken rund um den TI-Anschluss und dessen Finanzierung zu schließen, sondern auch um den Leistungserbringenden die Skepsis vor der TI zu nehmen. Hier sind Anbieter, Berufsverbände, gematik und Politik gleichermaßen gefordert, um auf allen Seiten das notwendige Vertrauen in die TI aufzubauen und zu fördern, damit die längst überfällige digitale Transformation des deutschen Gesundheitswesens gelingt.

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