Telematikinfrastruktur
18. Mai 2023·3 min. Lesezeit

Was ist eigentlich Interoperabilität?

Das Thema Interoperabilität ist untrennbar verwoben mit der Telematikinfrastruktur. Doch was bedeutet das und welche Vorteile ergeben sich dadurch?

von Markus Dikty

Interoperabilität bedeutet, dass IT-Systeme in der Lage sind miteinander zu kommunizieren und Daten auszutauschen, sie sind also interoperabel. Aktuell ist es im Gesundheitswesen so, dass nahezu jede Berufsgruppe ihr eignes IT-System hat. Apotheken arbeiten mit einem Warenwirtschaftssystem oder einer Apothekensoftware, Arztpraxen haben ein Praxis-verwaltungssystem (PVS) im Einsatz, Pflegedienste verfügen über eigene Pflegesoftware, Hebammen arbeiten mit einer Hebammensoftware, Hilfsmittelerbringer haben häufig eine ERP-Software und so weiter. All diese System sind in sich geschlossen und beherbergen Informationen, die kein anderes System verstehen kann. Folglich können die Systeme und Programme auch nicht miteinander arbeiten oder Daten austauschen. Nur interoperable Systeme sind in der Lage die Sprache des jeweils anderen verstehen zu können und somit Informationen ohne Streuverluste austauschen zu können. Dies kann jedoch nur gelingen, wenn es für alle Systeme gemeinsame und einheitliche Standards gibt. Durch die Telematikinfrastruktur werden diese gemeinsamen Standards gesetzt und eine einheitliche Basis zur Zusammenarbeit aller Systeme geschaffen.

Welche Vorteile gibt es?

Wenn alle IT-Systeme im Gesundheitswesen interoperabel sind und miteinander kommunizieren, Informationen austauschen und auch untereinander zusammenarbeiten können, was für einen Vorteil bringt das mit sich? Der größte Vorteil von Interoperabilität ist sicherlich der sektorenübergreifende Austausch über verschiedene Berufsgruppen hinweg. Dieser ermöglicht in Zukunft, dass z.B. der Pflegedienst bereits mit der Gesundheitshistorie von Patientinnen oder Patienten vertraut ist, noch bevor diese wirklich aufgenommen werden. Auch Hebammen kommunizieren zukünftig auf Augenhöhe mit Gynäkologen und Ärzten, da sie mit dem Einverständnis ihrer Betreuten alle Befunde und Entlassdokumente ebenso einsehen können.

Interoperabilität bringt außerdem eine hohe Zeit- und Kostenersparnis mit sich, da Dokumente schnell und sicher von einem System ins nächste versendet werden können, ohne lange Postlaufzeiten und auch ohne Übertragungsfehler. Hilfsmittelerbringer sehen zukünftig bereits im Vorfeld ob ein Patient zuzahlungsbefreit ist oder nicht und muss seinem Geld nicht mehr hinterherlaufen.

Auch die Behandlungsqualität kann sich deutlich verbessern, da Heilberufler sich zukünftig durch die gemeinsame und umfassende Informationsbasis viel besser auf die Patientin oder den Patienten vorbereiten können und ihr oder ihm eine individuellere Behandlung ermöglichen können, die zudem auch noch schneller beginnen kann.

Insgesamt lässt sich durch diese Vorteile auch der Aufwand administrativer und langwieriger analoger Prozesse vermeiden und die Arbeitszufriedenheit des Personals insgesamt steigern. Davon profitieren am Ende letztendlich alle Parteien.

Wie erlange ich Interoperabilität?

Im Grunde ist es ganz einfach, denn der Anschluss der Praxis oder des Betriebs an die Telematikinfrastruktur beinhaltet die Möglichkeit seine Systeme interoperabel zu machen. Die TI setzt gemeinsame Standards, die durch die gematik definiert werden und alle Teilnehmer der TI unterliegen diesen Standards. Das bedeutet: Ist Ihre Praxis bzw. Ihr Betrieb an die TI angeschlossen, können Sie verschiedene Fachanwendungen über Ihr eigenes System nutzen, die somit automatisch interoperabel sind und Daten austauschen und miteinander kommunizieren können.

Darf ich vorstellen?

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