Apotheken
6. Aug. 2026·5 min. Lesezeit

Ein Jahr TI-Gateway in der Apotheke

„Die Technik ist da – jetzt müssen die Prozesse folgen".

Steffi Dölchow
von Steffi Dölchow
Ein Jahr TI-Gateway in der Apotheke

Vor einem Jahr haben wir in einem Interview mit dem Apotheker Jörn Sievers über den Umstieg auf das TI-Gateway gesprochen. Zwölf Monate später ziehen wir Bilanz. Das Gateway hat sich als stabile, kaum spürbare Infrastruktur bewährt. Je selbstverständlicher die Technik läuft, desto klarer wird, was mit der TI möglich wäre – wenn die Rahmenbedingungen es zulassen würden.

Herr Sievers, vor einem Jahr sagten Sie, das TI-Gateway „läuft einfach". Hat sich das über zwölf Monate bestätigt?

Es hat sich bestätigt. Man kriegt ja immer nur mit, wenn etwas nicht geht – und das ist bei uns die absolute Ausnahme geblieben. Die eine oder andere Kinderkrankheit vom Anfang ist inzwischen raus. Im Alltag denke ich schlicht nicht mehr über das Gateway nach. Und das ist bei einer Infrastruktur ja eigentlich das größte Kompliment: Sie fällt nur auf, wenn sie fehlt.

Sie betreiben mehrere Apotheken mit unterschiedlichem Setup. Welchen Vergleich können Sie ziehen?

In einer Apotheke arbeiten wir noch mit dem physischen Konnektor, in einer anderen läuft das TI-Gateway. Dadurch sehen wir sehr direkt, wohin die Reise geht. Der klassische Konnektor tut, was er tun soll. Aber die Richtung ist klar: Langfristig ist das TI-Gateway die bessere Lösung. Deshalb werden wir auch die letzte Apotheke umstellen, sobald die aktuelle Hardware ausläuft.

Vor einem Jahr sprachen Sie von einer „langfristigen Partnerschaft" mit curenect. Wie präsent ist der Support im Alltag?

Wir hatten wenig Anlass, überhaupt Kontakt aufzunehmen, weil das schlicht nicht nötig war. Zuletzt gab es mal ein Problem. Aber es hat sich schnell herausgestellt, dass das nicht am TI-Zugang selbst lag. Das ist mir wichtig zu betonen, weil es sehr leicht ist, in solchen Momenten schnell „die TI" verantwortlich zu machen. Tatsächlich ist das ein Zusammenspiel vieler Komponenten. Der TI-Zugang war hier nicht die Ursache.

Gibt es einen Rat, den Sie daraus ableiten können?

Wer sein TI-Setup aufsetzt oder umstellt, sollte vorher das eigene Software- und Firewall-Umfeld überprüfen. Mit kompetenter Hilfe ist die eigentliche Umstellung dann keine große Sache. Das dauert nicht lange, und danach läuft es ziemlich reibungslos.

Am wichtigsten ist für Ihre Apotheke sicher das E-Rezept. Wie zufrieden sind Sie damit im Alltag?

Die Technik läuft. Bei uns geht inzwischen viel über die Apotheken-App und das funktioniert richtig gut. Aber leider liegt immer noch ein wesentlicher Anteil aller Rezepte auf Papier vor. Und viele Praxen sind nicht in der Lage, die Rezepte zeitnah zu signieren. Das heißt: Die Technik ist da, nur die Umsetzung hinkt hinterher. Das hat nichts mit uns als Apotheke zu tun und nichts mit der TI als Gesamtsystem. Trotzdem ist es ärgerlich, weil nicht alle die Technologie konsequent einsetzen. Ich würde sagen: Die Schiene ist gebaut, es fährt nur noch nicht jeder darauf.

Stichwort ePA und KIM. Sind diese TI-Anwendungen bei Ihnen im Alltag angekommen?

In der Fläche kommt leider noch zu wenig davon an. Und das liegt wieder nicht an der Technik, sondern an den Hürden davor. Das sind zum Beispiel Fortbildungen, die bezahlt und besucht werden müssen oder Anforderungen der Standesorganisationen. Vieles hängt natürlich an der Vergütung. Das ist beim E-Rezept weniger ein Thema, bei anderen Anwendungen wie der ePA beispielsweise schon.

Der elektronische Medikationsplan etwa gehört zu den pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL). Fachlich ist das bestimmt sinnvoll. Gerade bei Patientinnen und Patienten mit vielen Präparaten sind wir als Apotheke ein leicht erreichbarer Ansprechpartner, der den richtigen Anstoß geben kann. In der Praxis aber steht dem die Realität entgegen: knappe Vergütung, volles Tagesgeschäft, wenig Luft. Solange sich das nicht ändert, bleibt vieles Theorie.

Ist Ihr Alltag durch die TI denn insgesamt digitaler geworden?

Beim E-Rezept ist das spürbar. Ansonsten leider kaum. Wir brauchen immer noch viele papierbasierte Abläufe, weil zum Beispiel Krankenkassen bestimmte Erfassungsbögen genau so verlangen. Die Technik ist viel weiter – und da denke ich zuallererst an die TI. Aber die Akteure im Gesundheitswesen müssen das auch wollen und nutzen. Da ist noch sehr viel Luft nach oben.

Ein Beispiel: Für ein einziges Hilfsmittel verlangt praktisch jede Krankenkasse ihren eigenen Erhebungsbogen. Mal drei, mal fünf Seiten. Dieser bürokratische Ballast schreckt schon ab. Unsere pragmatische Lösung war irgendwann ein selbst gebauter Zwei-Seiten-Bogen für alle Fälle. Dabei wäre auch das längst anders lösbar. Die Daten sind ja digital erfasst, warum lässt sich eine pharmazeutische Dienstleistung dann nicht so unkompliziert abrechnen wie ein E-Rezept? Ein paar Klicks, kurze Übermittlung und fertig.

Wenn Sie einem Kollegen sagen müssten, was ein Jahr TI-Gateway für Ihre Apotheke bedeutet hat – was wäre das?

Wer die TI als Handwerkszeug akzeptiert und gelernt hat, damit umzugehen, kann sehr effektiv damit arbeiten. Das gilt für alle Apothekerinnen und Apotheker. Ich gehöre ja durchaus schon zu den Älteren.

Ich denke auch, eine Offenheit gegenüber dem Thema Digitalisierung ist wichtiger denn je. Es schließen immer mehr Apotheken und die verbleibenden arbeiten unter immer höherem Druck. Wir müssen einfach effizient sein. Dafür brauchen wir die Digitalisierung. Gleichzeitig wünsche ich mir aber auch, dass wir bestehende Abläufe nicht ständig ändern oder neue Anforderungen bekommen. Am besten sind Änderungen, die im Hintergrund passieren. Dann können wir unseren Job machen und effektiv arbeiten. Das gilt übrigens nicht nur für unseren Sektor, sondern für das gesamte Gesundheitswesen.