Telematikinfrastruktur
26. März 2026·4 min. Lesezeit
Aktueller Stand der TI im Heilmittelbereich
Eine Umfrage und Stimmen aus dem Heilmittelbereich zeichnen ein Stimmungsbild zur Fristverschiebung.


Fast jeder zweite Heilmittelerbringer begrüßt die Verschiebung der TI-Anbindungspflicht auf Oktober 2027. Gleichzeitig kritisieren Verbände die Entscheidung scharf. Auf den ersten Blick erscheint das widersprüchlich. Dahinter verbirgt sich aber eine natürliche Entwicklung: Heilmittelerbringer setzen sich mit der TI auseinander – und ein relevanter Teil ist längst bereit.
TI-Readiness im Heilmittelbereich – Was sagen die Zahlen?
Eine Befragung der Stiftung Gesundheit aus Dezember 2025 (n=429) zeichnet ein differenziertes Bild. 47 Prozent der Heilmittelerbringer bewerten die Verschiebung positiv, 30 Prozent neutral und 23 Prozent negativ. Das klingt zunächst nach breiter Zustimmung.
Ein genauerer Blick zeigt aber, dass es zwischen den Berufsgruppen im Heilmittelbereich deutliche Unterschiede gibt:

Physio- und Ergotherapeut:innen stechen heraus: Rund 37 Prozent beider Gruppen bewerten die Verschiebung negativ – der höchste Wert aller Berufsgruppen. Die Ursache liegt auf der Hand: Viele Physio- und Ergotherapiepraxen haben bereits investiert, geschult und Vorbereitungen getroffen. Für sie ist die Verschiebung kein Grund zum Aufatmen, sondern ein Dämpfer.
Verbände kritisieren Aufschub der TI-Pflicht
Genau das spiegelt sich auch in den Kommentaren der Verbände wider. Der Verband für Physiotherapie (VPT) hatte die Verschiebung bereits vorab als „Rückschritt für die Digitalisierung der Heilberufe“ bezeichnet. Die Bundesvorsitzende Manuela Pintarelli-Rauschenbach spricht in einem Statement davon, dass die Verschiebung „wirtschaftlich und organisatorisch kontraproduktiv" sei.
Der Bundesverband für Ergotherapeut:innen in Deutschland (BED) kritisiert die Verschiebung in einer Stellungnahme ebenfalls als „falsches Signal“ und liefert dazu noch ein starkes weiteres Argument. Laut dem Verband sind die schnellere und sichere Kommunikation über KIM sowie der Einblick in die ePA konkrete Vorteile, die in anderen Bereichen des Gesundheitswesens bereits etabliert seien. Die Botschaft dahinter ist deutlich: Wer die Verschiebung als Einladung zum Abwarten versteht, verpasst Mehrwerte, die der Rest des Gesundheitswesens längst nutzt. Zurückhaltung gegenüber der TI bedeutet demnach freiwilliges Hinterherhinken.
Warum sind manche Berufsgruppen skeptisch gegenüber der TI?
Die Verschiebung hat also nicht nur Jubel ausgelöst. Warum das so ist, zeigt die Stiftung Gesundheit in ihrer Umfrage. Das Ergebnis ist aufschlussreich, denn Pro- und Contra-Argumente halten sich fast die Waage.
Auf der einen Seite: 32 Prozent fühlen sich durch ständige Friständerungen verunsichert. Dazu kommen 28 Prozent, die den zusätzlichen organisatorischen Aufwand durch doppelte Planung beklagen, und 23 Prozent, die schlicht die Bremswirkung auf die Digitalisierung kritisieren.
Auf der anderen Seite: 34 Prozent der Befragten schätzen die gewonnene Vorbereitungszeit, 28 Prozent sehen die Chance, von den Erfahrungen anderer Leistungserbringer zu lernen, und 26 Prozent freuen sich über bessere Planbarkeit bei Investitionen in Hardware, Software und Schulungen.
Das eigentliche Problem ist also weniger die Technologie als das Vertrauen in den Prozess. Viele Praxen wären bereit – aber das politische Hin und Her kratzt an der Akzeptanz. Für alle, die die TI vorantreiben bedeutet das: Verlässlichkeit und ein klar strukturierter Einstiegsprozess sind genauso entscheidend wie die Technologie selbst.
TI-Readiness im Heilmittelbereich – der Stand der Vorbereitung
Trotz aller Unsicherheit zeigt die Umfrage: Ein relevanter Teil der Heilmittelerbringer lässt sich nicht aufhalten. 29 Prozent haben bereits konkrete Schritte zur TI-Anbindung unternommen, 43 Prozent planen dies trotz Verschiebung. Genauso viele halten es allerdings für unwahrscheinlich, dass sie noch vor der neuen Frist aktiv werden.
Der Markt ist also gespalten – aber die aktivere Hälfte ist längst in Bewegung. Und die Argumente für die TI sind stark: Mit KIM steht ein sicherer, etablierter Kommunikationsweg bereit, der Heilmittelpraxen die direkte digitale Kommunikation mit Ärzt:innen und anderen Leistungserbringern ermöglicht. Die Anbindung ist vollständig durch die GKV refinanziert, Praxen tragen kein finanzielles Risiko. Und wer früh einsteigt, vermeidet den Engpass, der unweigerlich kommt, wenn ab Oktober 2027 tausende Praxen gleichzeitig angebunden werden müssen.
Das heißt: Praxen, die jetzt handeln wollen, brauchen keinen weiteren Anstoß – sondern den richtigen Partner. Wer ihnen den Einstieg so einfach wie möglich macht, gewinnt.