Telematikinfrastruktur
6. Aug. 2026·4 min. Lesezeit

TI-Mythen im Faktencheck – Teil 2

Vorurteile gegenüber der TI auf dem Prüfstand

Steffi Dölchow
von Steffi Dölchow
TI-Mythen im Faktencheck – Teil 2

Die Telematikinfrastruktur hat ein Imageproblem. Dabei sind viele Geschichten, die über die TI kursieren, älter als die Technologie selbst. In Teil 1 dieser Serie haben wir drei dieser Vorurteile unter die Lupe genommen – Zuverlässigkeit, Kosten, veraltete Technik. Hier folgen die nächsten Mythen rund um die TI.

TI-Mythos: „Für Hilfsmittelerbringer hat die TI keinen Nutzen."

Dieses Vorurteil hatte lange einen wahren Kern. Der Zugang zur TI war für Hilfsmittelerbringer auf Pilotregionen begrenzt und stand nur verkammerten Berufen offen. Die meisten Hilfsmittelerbringer waren faktisch außen vor. Das hat sich aber geändert. Seit Juni 2026 können alle unverkammerten Hilfsmittelerbringer die SMC-B beim elektronischen Gesundheitsberuferegister (eGBR) beantragen. Das ist der Startschuss für eine flächendeckende TI-Anbindung der gesamten Branche – und ein guter Moment, um das Abwarten zu beenden. Und auch die praktischen Vorteile der TI für Hilfsmittelerbringer lassen sich inzwischen klar benennen.

Der erste und heute wichtigste Dienst für Hilfsmittelerbringer ist KIM (Kommunikation im Medizinwesen). Rückfragen zu Verordnungen, Anforderungen von Befunden, Abstimmungen mit Kostenträgern – all das kann im Rahmen der TI über ein datenschutzkonformes, automatisch verschlüsseltes Nachrichtensystem stattfinden. Hilfsmittelerbringer, die sich bisher per Telefon und Fax mit anderen Leistungserbringern und Kostenträgern abstimmen, können per KIM nicht nur sicherer kommunizieren, sondern auch viel wertvolle Zeit sparen. Mehr als 90 Prozent der Arztpraxen sind bereits über KIM erreichbar. Das Netzwerk ist also längst da.

Perspektivisch wird die eVerordnung für Hilfsmittel die Prozesse weiter verändern. Ein erstes Pilotprojekt mit über 30 Partnern ist bereits erfolgreich gestartet.

Marco Zellmann, Head of Sales and Service bei der DZH: „Hilfsmittelerbringer stehen jetzt an einem Punkt, den andere Leistungserbringer schon hinter sich haben. Der Weg in die TI ist offen, die Technologie funktioniert und es gibt Anwendungen mit echtem Mehrwert im Versorgungsalltag. Wer jetzt startet, kann das in Ruhe und ohne Druck tun. Und das kann sich heute schon rechnen."

TI-Mythos: „Mit der TI 2.0 fängt alles von vorne an."

Wer den Einbox-Konnektor kennt, kennt auch den Frust rund um die Wartung der Hardware. Technik bestellen, Techniker buchen, Zertifikate tauschen, Mitarbeitende einweisen – und ein paar Jahre später das Ganze von vorne. Eine reflexhafte Ablehnung der neuen TI-Generation ist vor diesem Hintergrund nachvollziehbar. Aber sie trifft nicht zu.

Bei der TI 2.0 handelt es sich nicht um ein Ablöseprodukt, sondern um eine Evolution der bestehenden Infrastruktur, die den Praxisalltag spürbar entlastet. Technisch gesehen sind Sie mit einem aktuellen TI-Gateway bereits bestens für die Zukunft aufgestellt. 

Da der Konnektor zentral im Rechenzentrum betrieben wird, entfällt für Sie der Aufwand für Systemupdates und Lizenzmanagement. Lediglich die für die Authentifizierung notwendigen Zertifikate verbleiben vorerst in Ihrer Einrichtung und müssen dort getauscht werden. Dieser verbleibende Aufwand wird sich jedoch bald noch weiter reduzieren, da auch die SMC-B in Zukunft digitalisiert und ins Rechenzentrum verlagert wird. Die technische Komplexität verlagert sich somit fast vollständig von der Praxis zum Betreiber.

Gregor Krol, Teamleitung Technik bei curenect: „In der Konnektor-Zeit war jeder Fortschritt ein Vor-Ort-Projekt. Das ist zum Glück vorbei. Das TI-Gateway ist von Anfang an so gebaut, dass unsere Kunden nicht noch einmal wechseln müssen. Der Weg zur TI 2.0 ist für TI-Gateway-Nutzer deshalb keine große Umstellung."

Fakten schlagen Vorurteile

Die TI ist nicht das Sicherheitsrisiko, als das sie manchmal dargestellt wird. Im Gegenteil: Sie ist heute die sicherste Option für den Datenaustausch im Gesundheitswesen. Auch der Mythos, dass Hilfsmittelerbringer nicht mit der TI anfangen können, ist überholt. Inzwischen kann die TI auch hier aktiv Zeit sparen und die Kommunikation absichern. Und wer ein TI-Gateway nutzt, muss die TI 2.0 nicht fürchten.

Diese Beispiele zeigen, dass die TI besser ist als ihr Ruf. Vorurteile haben oft einen wahren Kern, der aber nicht mehr der Realität entspricht. Wer sich wirklich mit der TI auseinandersetzt, sollte sie an ihrem heutigen Stand messen. Dann wird schnell klar, wie wertvoll die TI für das Gesundheitswesen längst ist.

Wir zeigen gerne, wie der Einstieg heute gelingt.